Mittwoch, 22.01.2020 17:18 Uhr

Mehr Zeit zum Zuhören beim Hausnotruf

Verantwortlicher Autor: Malteser Köln, 28.12.2019, 06:06 Uhr
Presse-Ressort von: Klaus Köhnen Bericht 3593x gelesen

Köln [Malteser] Sie wird oft vergessen im Trubel um Weihnachten: Jenseits vom Glanz der Weihnachtslichter und des freudigen Zusammentreffens gibt es auch Menschen auf der einsamen, nicht festlich illuminierten Seite der Festtage – für diese seelische Not jenseits des Notfalls ist der Hausnotruf sensibilisiert und verstärkt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Nöte der einsamen Menschen sensibilisiert.

Viele Menschen, oft ältere, verbinden Weihnachten eher mit Einsamkeit. In der deutschlandweiten Malteser Hausnotruf-Zentrale in Oestrich-Winkel, in der mehr als 120.000 Kunden registriert sind, gingen in diesem Jahr in der Weihnachtswoche bis zum 27. Dezember rund 11.500 Anrufe ein. „Davon waren mit mehr als 400, also fast vier Prozent, soziale Anrufe, bei denen der Knopf „zufällig“ gedrückt wurde“, sagt Sabine Erhardt, stellvertretende Leiterin des Hausnotrufs. „Für diese Rufe ohne Notfall kommen oft unterschiedliche Gründe zusammen: dass sie keine Angehörigen mehr haben, dass auch Freunde unterwegs bei ihren Familien und nicht erreichbar sind, die Geschäfte zu, nicht mehr viel drumherum passiert – dadurch fühlen sie sich noch einsamer.“

Viele sagten dies aber nicht bewusst, sondern sie wollten nur mal schauen, ob der Knopf noch funktioniere. „Da wir bereits für diese seelische Not jenseits des Notfalls sensibilisiert sind, fragen wir nach, was sie bewegt oder wie die Abendplanung aussieht. Oft stellt sich erst im Nebensatz heraus, dass sie eigentlich nur jemanden zum Reden brauchen. "Die Hausnotruf-Zentrale hat über die Feiertage die Besetzung von rund 20 Kräften im Normalbetrieb tagsüber unter der Woche auf bis zu 25 verstärkt, damit „genügend Zeit bleibt, das Herz ausschütten zu können."

Die Themen und Nöte der einsamen Menschen sind ganz unterschiedlich,so Michaela Faust, die seit sechs Jahren Anrufe des Hausnotrufs entgegennimmt und schon öfter über Weihnachten telefonierte: „Wir sind oft der letzte Kontakt zur Außenwelt für alleinstehende Menschen, die sich gerade an Weihnachten einsam fühlen, traurig sind und reden wollen." Auch die Einsamkeit wird von vielen als "Notfall" empfunden.

Erfahrungen aus dem Hausnotruf

Diese traurige Seite jenseits des Weihnachtstrubels hat auch Daniel Basalla, stellvertretender Leiter des Malteser Hausnotruf in Köln, bereits oft im Dienst erlebt. Einmal wurde er an Heiligabend aus dem Kreis seiner Familie in den Einsatz gerufen und betrat die Wohnungen der Betroffenen: „Auffällig war, egal wo man reingekommen ist, Weihnachten spielte keine Rolle. Es gab keinen Tannenbaum, keine festliche Dekoration, nichts.“ Auch wenn er bei der Begrüßung erstmal frohe Weihnachten wünschte, waren die Reaktionen oft verhalten. „Oft war es sogar so, dass mein Gegenüber so reagierte, als realisiere es erst jetzt, dass überhaupt Heiligabend ist. Das hat mich schon sehr getroffen.“

Hinzu kommt eine Charaktereigenschaft, die vor allem die ältere Generation noch prägt: Oft haben sie besonders an den Feiertagen eine Scheu überhaupt den Hausnotruf-Knopf zu drücken. „An Feiertagen erleben wir ab und zu, dass sich der betroffene Mensch sogar entschuldigt für den Hilferuf und fragt, wo wir denn an dem Feiertag die Kollegen hergerufen hätten.“ Diese höfliche Zurückhaltung – „Ich möchte keinen belästigen, ich habe ja nichts, kann nur nicht aufstehen“ - habe aber auch ihre Tücken.

Daher warnt Basalla: „Wenn jemand stürzt und oder nicht mehr allein vom Sofa hochkommt, weil die Beine versagen, sollte er oder sie nicht warten, ob es vielleicht doch noch aus eigener Hilfe gelingt.“ Der Hausnotruf-Experte habe schon gestürzten Menschen angetroffen, die bereits unterkühlt waren. „Da weiß man, dass derjenige vielleicht um halb 3 Uhr morgens gestürzt ist, aber bis morgens wartete, weil er in der Nacht niemanden stören wollte.“ Daher lautet beim Notruf die Devise: „In einer Situation, aus der man allein nicht mehr rauskommt, sofort den Notruf-Knopf drücken. Dafür sind wir da.“

Initiativen gegen Einsamkeit

Um etwas gegen die Einsamkeit zu unternehmen, hatten beispielsweise die Malteser Solingen in Kooperation mit der Katholischen Kirchengemeinde St. Sebastian in diesem Jahr eine Initiative gestartet und zum „Bergischen Kaffeetrinken“ am zweiten Weihnachtstag eingeladen. „Die Idee entstand aus dem Wissen heraus, dass Weihnachten für Menschen, die alleine sind oder wenig Geld haben, emotional besonders schwierig ist. Dagegen wollten wir etwas machen,“ so Birgit Guenther von den Maltesern in Solingen.

An 15 Standorten bundesweit rufen geschulte Ehrenamtliche des Malteser Telefon-Besuchsdienstes Menschen an, die sich über einen regelmäßigen Austausch per Telefon freuen. Egal ob in Buxtehude, Bamberg oder Berlin – die Ehrenamtlich telefonieren zu ausgemachten Zeiten mit den gesprächsbedürftigen Menschen - auch über die Feiertage.

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